Der Douglas-Chef und die gestörte Friedhofsruhe

24.07.2011 17:54

Er trägt den Verdienstorden Nordrhein-Westfalens, die Ehrendoktorwürde der Fernuni Hagen und seine Firma den Deutschen Marketingpreis. Nicht einmal der Deutsche Handelspreis fehlt in der Sammlung von Dr. Dr. h.c. Jörn Kreke, dem 71-jährigen Architekten und Aufsichtsratsvorsitzenden des MDax-Konzerns Douglas Holding, einem Konglomerat aus Parfümerien, Buchläden (Thalia), Konfiserien (Hussel), Schmuckläden (Christ) und Modekaufhäusern (Appelrath-Cüpper).

Der Wunsch nach Genuss und Jugendlichkeit hat ihn reich gemacht. Allein das Douglas-Aktienpaket seiner Familie (12,1 Prozent) bewertet die Börse derzeit mit 170 Millionen Euro. Nun aber ist es ausgerechnet das Geschäft mit dem Sterben, das dem guten Ruf des Kölner Kaufmanns schaden könnte.

Grund ist die ungewisse Lage der BF Bestattungsfinanz GmbH, die mit Kreke verbandelt ist. Sieben Jahre lang half die Firma Begräbnisunternehmern über die Runden, indem sie ihnen unbezahlte Kundenrechnungen über Grabschmuck und Eichensärge abkaufte. Durchschnittlich 2300 Euro kamen dabei pro Todesfall zusammen, im Süden mehr, im Osten weniger.

Binnen drei Tagen, versprach BF Bestattungsfinanz im Paragrafen 3, Absatz 1 ihrer Kundenverträge, sollten Geschäftspartner ihr Geld bekommen - abzüglich einer angemessenen Aufwandsentschädigung.

Die kurzen Zahlungsfristen kamen vor allem kleineren Betrieben entgegen. Schließlich dienen die raschen Auszahlungen der Liquiditätsplanung, Mitarbeiter müssen entlohnt, Vorlieferanten bezahlt werden. Doch seit dem 22. Juni häufen sich in der Branche Klagen, nach denen die vom Douglas-Standort Hagen operierende Factoringgesellschaft mit ihren Auszahlungen ins Stocken geraten ist. Am 29. Juni ließ Geschäftsführer Harald Glöde auf Anfrage erboster Bestattungsunternehmer in gleichlautenden Briefen wissen, dass sich "die Auszahlungen in den nächsten Tagen aufgrund eines technischen Problems etwas verzögern können". Erst als Bestatter ihre Rechtsanwälte einschalteten, zahlte BF zwischen dem 8. und 11. Juli die Summen aus.

Das Vertrauen in die weitere Zusammenarbeit stärkte dies nicht. Gut ein Dutzend der etwa knapp 200 BF-Partner leitete in den vergangenen Tagen den Wechsel zur Konkurrenz ein. "Wir wissen von mehreren Mitgliedern, die der BF gekündigt haben", erzählt eine Mitarbeiterin beim Verband unabhängiger Bestatter in Espelkamp.

Es habe seit Monaten immer wieder Probleme mit der rechtzeitigen Bezahlung gegeben, berichtet ein Bestatter aus der Eifel dem Handelsblatt. Auch er hat gekündigt. Ein Großkunde, der sich von der Düsseldorfer Kanzlei Hansen vertreten lässt, wies sogar den verspäteten Zahlungseingang zurück. Anwalt Ralf Hansen: "Wir haben stattdessen fristlos gekündigt." Schließlich zahle BF schon seit einem Jahr unpünktlich.

Seine Sorge: Sollte BF den Bestattern die ausstehenden Gelder vorenthalten, blieben sie auf unbezahlten Rechnungen sitzen. Einen Rückgriff auf die Hinterbliebenen ist ihnen nach dem Verkauf der Forderungen an die Factoringgesellschaft verwehrt.

Was kaum jemand weiß: Hinter der BF Bestattungsfinanz, deren Außenumsatz auf 40 bis 45 Millionen Euro geschätzt wird, verbirgt sich als Miteigentümer Douglas-Aufsichtsratschef Kreke. Gemeinsam mit dem damaligen Karstadt-Finanzchef Jan-Christoph Maiwaldt, 50, hatte der vormalige Douglas-Vorstandschef 2004 die Firma gegründet, an der beide Partner heute indirekt 50 Prozent der Anteile halten - Kreke über seine Familienholding Lobelia.

Refinanzierendes Kreditinstitut ist - neben der Essener Gallinat-Bank - ein Ableger von Karstadt-Quelle: die Essener Valovis-Bank.

Sie aber kämpft seit der Pleite ihres Mutterkonzerns mit der Beseitigung schwerer Altlasten, die ihr nicht selten von den Vorständen des Karstadt-Quelle-Konzerns aufgehalst wurden - mit teilweise weitreichenden Konsequenzen. Ende 2009 musste der Versender Quelle seinen Geschäftsbetrieb einstellen, nachdem Valovis ihm die Zusammenarbeit aufgekündigt hatte. Auch das Geschäft mit BF Bestattungsfinanz befinde sich derzeit "in Abwicklung", berichtete ein zuständiger Valovis-Manager dem Handelsblatt. Die Bank trenne sich in Essen derzeit ohnehin vom Business-to-Business-Geschäft.

Dass dies der Grund für die Zahlungsschwierigkeiten ist, lässt Jörn Kreke über seinen Holding-Geschäftsführer Nils Nüllmeier zurückweisen. "Valovis ist für uns weiterhin aktiv", sagt dieser. Über den Umfang und die weitere Zukunft möchte Nüllmeier nichts sagen. Das Geschäft von BF läuft nach seiner Darstellung reibungslos.

In dem vor fünf Monaten veröffentlichten Geschäftsbericht aber verstecken sich Hinweise darauf, dass nicht alles so reibungslos läuft. "Insbesondere ist einer Tendenz der weiteren Verknappung von Refinanzierungsmitteln mit einer Verteilung der Portfolios auf mehrere Partner zu begegnen", heißt es dort. Zur Risikominimierung akquiriere BF derzeit neue Banken.

Kreke selbst äußert sich auf Anfrage nicht. Auch BF-Geschäftsführer Harald Glöde will zu Einzelheiten nicht Stellung nehmen, sieht in den Anschuldigungen aber eine Schmutzkampagne der Konkurrenz. Es habe, so sagt er, lediglich zwischen dem 27. und dem 29. Juni Computerprobleme gegeben.

Quelle:Handelsblatt

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