50 Jahre Mauerbau

01.08.2011 13:04

Und doch sollte man noch einmal zurückzublicken. Denn der 13. August 1961 hat eine ganze Epoche geprägt. Und Generationen von Deutschen haben unter den Folgen der deutschen Teilung gelitten.

Zehntausende Deutsche waren seit 1949 aus der DDR in den freien Westen geflüchtet - weil sie die SED-Diktatur ablehnten, in der DDR keine Zukunft für sich sahen oder auch nur mit der Versorgungslage im Sozialismus unzufrieden waren. Dass die DDR den politischen und wirtschaftlichen Wettbewerb mit der freien und erfolgreichen Bundesrepublik niemals gewinnen würde, wurde der SED-Führung sehr bald klar. Sie suchte deshalb nach einer anderen Möglichkeit, die "Abstimmung mit den Füßen" zu stoppen.

Chruschtschow wollte ganz Berlin

Bereits seit 1952 ließen die DDR-Machthaber die Grenze zur Bundesrepublik scharf überwachen. Das einzige Schlupfloch war Berlin. Vom Ost- in den Westteil der Stadt zu gelangen, war kein Problem. Staats- und Parteichef Walter Ulbricht drängte Sowjetführer Nikita Chruschtschow, einer Absperrung West-Berlins zuzustimmen. Doch der hatte eigentlich andere Pläne: Er wollte die Westmächte aus ihren Berliner Sektoren herausdrängen und ganz Berlin dem sowjetischen Machtbereich einverleiben. Sein Druckmittel: Die Zugangswege nach West-Berlin. Erst als Chruschtschow merkte, dass der amerikanische Präsident John F. Kennedy nicht erpressbar war, ließ er der SED-Führung den Befehl erteilen, die Mauer zu bauen.

Dramatische Szenen

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begann der Mauerbau - unter strenger Bewachung von Soldaten der Nationalen Volksarmee und mit Rückendeckung der sowjetischen Streitkräfte, die in der DDR stationiert waren. Für die Berliner Bevölkerung kam der Mauerbau völlig überraschend. Von einem Tag auf den anderen waren Familien geteilt, Freunde getrennt. In den folgenden Wochen spielten sich dramatische Szenen ab: Fluchtversuche durch Fenster an der Bernauer Straße, wo der Bürgersteig zum Westen gehörte, Menschen, die sich auf beiden Seiten der Mauer gegenüberstanden, sich zuwinkten und Säuglinge in die Höhe hielten, die von Eltern oder Großeltern getrennt waren.

Flucht unter Lebensgefahr

Das Ziel, die Fluchtbewegung zu überwinden, hatte das Ulbricht-Regime erreicht. Die Sehnsucht nach Freiheit zu unterdrücken, gelang ihm jedoch nicht. Immer wieder versuchten Menschen, unter Lebensgefahr die Mauer oder die innerdeutsche Grenze zu überwinden - trotz Stacheldraht, Minen und Schießbefehl. Und obwohl sie wussten, dass auf versuchte "Republikflucht" hohe Gefängnisstrafen standen. Rund 71.000 Menschen mussten zwischen 1961 und 1989 Haftstrafen verbüßen, nur weil sie von Deutschland nach Deutschland wollten. Rund 1.000 Menschen bezahlten ihren Mut zur Flucht mit dem Leben. Und Zigtausende mussten berufliche und andere Nachteile hinnehmen, weil sie Ausreiseanträge gestellt hatten.

DDR missachtete Freizügigkeitsrecht

"Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren", lautet Artikel 13 Absatz 2 der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte". Mit ihrem Beitritt zu den Vereinten Nationen hatte die DDR die Menschenrechtsdeklaration und damit auch das Recht auf Freizügigkeit anerkannt. Das SED-Regime respektierte es - wie auch andere Menschenrechte - jedoch nicht. Mit ungeheurem Aufwand versuchte es, "Republikfluchten" zu verhindern. Schon wer mit einem Schlauchboot an die Ostsee unterwegs war, machte sich in den Augen des Staatssicherheitsdienstes verdächtig. Und selbst in Reisebüros hatte die Stasi ihre Spitzel.

Noch im Januar 1989 behauptete SED-Chef Erich Honecker, die Mauer werde in 50 und auch in 100 Jahren noch stehen. Er sollte sich irren. Nicht sein einziger Irrtum in diesem schicksalsträchtigen Jahr. Am 9. November 1989 fiel die unmenschliche Grenze, mit der es den DDR-Machthabern gelungen war, ihre Herrschaft zu sichern.


Kontext:
Deutsche Einheit - 50 Jahre Mauerbau

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